Microsoft Cloud für das Gesundheitswesen: Verbesserungen in der Pflege durch optimale Nutzung leistungsstarker Gesundheitsdaten

Veröffentlicht am 28 Oktober, 2020

MD, PhD, Corporate Vice President, Microsoft Health Next

COVID-19 hat nicht nur dafür gesorgt, dass Gesundheitsdienstleister weltweit – individuell wie auch als Einrichtungen – mit nie dagewesener Arbeitsbelastung konfrontiert werden, sondern die Reaktion auf die Pandemie führt auch zu massiven Veränderungen beim Wie, Wo und Wann der Pflege. So hat sich gezeigt, dass langfristig grundlegende Verschiebungen im Pflegekontinuum erforderlich sind. Als Arzt weiß ich aus erster Hand um Probleme, die entstehen, wenn die benötigten Daten nicht zum richtigen Zeitpunkt und im passenden Format vorliegen und ich deswegen gemeinsam mit meinen Patienten keine fundierten Entscheidungen treffen kann. Diese Herausforderungen machen es für vertrauenswürdige Partner und Lösungen umso dringlicher, neuen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu begegnen.

Heute machen wir bei der Bewältigung dieser Herausforderungen einen großen Schritt vorwärts: Microsoft Cloud for Healthcare ist nun allgemein verfügbar. Microsoft Cloud for Healthcare vereint vertrauenswürdige Funktionen für Kunden und Partner, um die Patientenbindung zu stärken, die Zusammenarbeit im Gesundheitsteam zu unterstützen und die medizinischen und betrieblichen Erkenntnisse zu verbessern. So wird nicht nur effiziente Pflege beschleunigt und vereinfacht, sondern es werden auch End-to-End-Sicherheit, Compliance und Interoperabilität von Gesundheitsdaten sichergestellt.

Innovation und Microsoft Cloud for Healthcare

Am Anfang steht Azure API for FHIR, das einen schnellen Datenaustausch über FHIR®-APIs (Fast Healthcare Interoperability Resources) gestattet, die auf einem Angebot mit verwalteter PaaS (Platform-as-a Service) basieren. Dies erleichtert allen Personen, die mit Gesundheitsdaten arbeiten, das Erfassen, Verwalten und dauerhafte Speichern von geschützten Gesundheitsdaten in der Cloud. Die Gesundheitsbranche stellt bei Gesundheitsdaten zunehmend auf den modernen FHIR®-Standard um, der ein stabiles, erweiterbares Datenmodell mit standardisierter Semantik und standardisiertem Datenaustausch ermöglicht. So können sämtliche Systeme FHIR für die Zusammenarbeit verwenden. Durch Umstellen Ihrer Daten auf das FHIR-Format können Sie vorhandene Datenquellen – z. B. Systeme mit elektronischen Gesundheitsakten oder Forschungsdatenbanken – schnell vernetzen. Außerdem ermöglicht der Standard den schnellen Austausch von Daten in modernen Implementierungen der mobilen Entwicklung und der Webentwicklung. Am wichtigsten ist, dass FHIR die Datenerfassung vereinfachen und die Entwicklung mit Analyse- und Machine-Learning-Tools beschleunigen kann. Die Umstellung vom lokalen Computing im Gesundheitswesen auf die Cloud ist eines der fünf Ereignisse, über die ich kürzlich gesprochen habe, und es ist insofern einmalig, als es in einem deutlich kompakteren Zeitraum als in anderen Branchen stattfindet.

Eine weitere zentrale Innovation für Microsoft Cloud for Healthcare, die im Rahmen eines Microsoft Hackathon entwickelt wurde, wurde bereits 2019 eingeführt, hat aber erst jetzt – im Jahr der Pandemie – weltweit an Nutzung zugelegt. Der Microsoft Health Bot Service ist ein Azure-Clouddienst, der Organisationen im Gesundheitswesen in die Lage versetzt, schnell KI-basierte Assistenten und Chatbots für virtuelle Gesundheitsdienste zu erstellen und zu implementieren. Mit ihrer Hilfe können die Organisationen ihre Prozesse optimieren sowie Self-Service-Initiativen und Kostenreduzierungen besser umsetzen. Der Health Bot verfügt über integrierte KI-Dienste für das Gesundheitswesen, z. B. klinische Protokolle und medizinische Inhalte aus vertrauenswürdigen Branchenquellen, direkt nutzbare Entwurfsvorlagen für das Gesundheitswesen, Language Understanding-Modelle, die für medizinische und klinische Terminologie optimiert sind, und bei Bedarf eine nahtlose Übergabe an Livechats und Telegesundheit. Die Akzeptanz des Integritätsbotdiensts überstieg alles, was man sich davon erhofft hatte. Seit März 2020 hat der Health Bot von Microsoft nicht nur mehr als 600 Mio. Nachrichten ausgewertet, sondern implementiert auch 2.300 COVID-19-Bots in 25 Ländern für mehr als 50 Mio. Benutzer. In einer Zeit, in der Callcenter und Notfallabteilungen überlastet waren, hilft dieser Botdienst vielen Krankenhaussystemen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und öffentlichen Gesundheitssystemen wie dem US Center for Disease Control dabei, aktuelle Empfehlungen zu kommunizieren, die Behandlung von Patienten nach Dringlichkeit zu priorisieren und Echtzeitdaten zu den Interaktionen der Menschen mit dem Bot einzuholen.

Da wir den Funktionsumfang von Microsoft Cloud for Healthcare stetig erweitern, implementieren unsere Teams auch immer wieder innovative Ideen. Die Remote-Patientenüberwachung bietet die Möglichkeit, Gesundheitsdaten von Patienten außerhalb der herkömmlichen Gegebenheiten des Gesundheitssystems zu erfassen. Institutionen des Gesundheitswesens können mithilfe von Azure IoT-Konnektor für FHIR Gesundheitsdaten, die von Remotegeräten generiert wurden, in Azure API for FHIR einbinden. Diese Daten können verwendet werden, um den Gesundheitszustand von Patienten genau zu verfolgen, die Einhaltung des Behandlungsplans durch die Patienten zu überwachen und eine personalisierte Versorgung zu bieten.

Vor Kurzem als Open Source veröffentlicht, optimiert der Medical Imaging Server for DICOM den Prozess der Erfassung medizinischer Bildgebungsdaten in der Cloud. Durch Verwendung des Medical Imaging Server for DICOM in Kombination mit Azure API for FHIR oder anderen FHIR-Diensten werden zwischen Bildgebungsdaten und klinischen Daten Verknüpfungen in FHIR erstellt. Dies bereitet den Boden für mehrere Szenarien, deren Umsetzung in aktuellen lokalen Systemen noch schwierig und kostenintensiv ist. Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung des Bildgebungsservers von Microsoft. Bildgebungsdaten machen 74 Prozent aller medizinischen Daten aus. Bei der Umsetzung von Pflegeprinzipien, die den Patienten in den Mittelpunkt stellen, liefern solche Bilddaten häufig Hinweise, die beim Stellen der Diagnose ein Verbinden einzelner Punkte gestatten und den Weg zu den effektivsten Präventions- und Behandlungsstrategien weisen. 

Textanalyse für das Gesundheitswesen ist ein Feature von Microsoft Azure Textanalyse. Es handelt sich hierbei um einen KI-Dienst, der das Extrahieren aussagekräftiger Informationen aus unstrukturierten medizinischen Daten ermöglicht und vereinfacht und sich derzeit in der Vorschau befindet. Das zugrunde liegende Modell wurde mit einer Vielzahl von medizinischen Daten trainiert, zu denen beispielsweise verschiedene Formate von klinischen Notizen und Protokolle von klinischen Tests zählen. Aus diesem Grund ist das Textanalysefeature in der Lage, eine Vielzahl von Datentypen und Tasks zu verarbeiten, ohne dass Kunden eigene Modelle unter hohem Zeitaufwand selbst erstellen müssen. Viele Gesundheitsdaten liegen heute in Form von unstrukturiertem Text wie Notizen von Ärzten, medizinischen Veröffentlichungen, elektronischen Patientenakten, Protokollen klinischer Studien, Transkripten medizinischer Untersuchungen usw. vor. Wenn Organisationen im Gesundheitswesen, Dienstleister, Forscher, Pharmaunternehmen und andere versuchen, all diese Informationen zu erfassen und Erkenntnisse daraus zu gewinnen, stehen sie vor einer enormen Herausforderung. Das Gewinnen aussagekräftiger Informationen aus diesen Daten bietet enormes Potenzial zur Verbesserung von Pflegedienstleistungen und Patientenergebnissen.

Künftige Verbesserungen von Microsoft Cloud for Healthcare umfassen Lösungen für eine präzise Pflege. Das Entschlüsseln der Informationen im Genom einer Person hat zu einem besseren Verständnis bei variablen Krankheitsverläufen und beim unterschiedlichen Ansprechen verschiedener Patienten auf die Behandlung geführt. Das hierdurch gewonnene bessere Verständnis dieser Varianten auf individueller und Populationsebene ist entscheidend für die Entwicklung maßgeschneiderter Strategien zur Vermeidung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Die Open-Source-Lösungen von Microsoft Genomics (Cromwell on Azure, Genomics Notebooks) gestatten es Forschern, skalierbare Workflows zu orchestrieren und Genompipelines und -analysen dank der Leistungsfähigkeit der Azure-Cloud effizient zu verwalten. Unser Ziel ist es, Genomdaten in praktischen Nutzen umzusetzen. Zu diesem Zweck werden Daten, die durch moderne Genomiktechnologien generiert werden, analysiert und interpretiert. 

Durch die Nutzung belastbarer Gesundheitsdaten in Microsoft Cloud for Healthcare und die stetige Erweiterung des Entwicklungsfahrplans erhalten Pflegende eine ganzheitliche Sicht des Patienten mit aussagekräftigen Erkenntnissen und umsetzbaren Handlungsempfehlungen für eine fundiertere und stärker individualisierte Pflegeverwaltung.

Mit der nun erfolgenden Einführung von Microsoft Cloud for Healthcare wird für unsere Kunden und Partner eine Grundlage für die Entwicklung innovativer Lösungen geschaffen, die zu besseren Erfahrungen und Ergebnissen für Patienten und Anbieter führen wird. Die Umsetzung dieser Innovationen gemeinsam mit unseren Partnern ist eine der wesentlichen Motivationen für mich, den eingeschlagenen Weg einer Neufassung globaler Pflegeprinzipien konsequent weiterzuverfolgen.